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Heimliche Kleinbären erobern Hohenlohe

Die ersten Waschbären haben den Landkreis Hall erreicht / Weitere Neubürger im Anmarsch

Nur wenige Howaschbaeren: unverkennbar schwarze gesichtsmaske henloher haben den heimlich lebenden Einwanderer mit der schwarzen Gesichtsmaske schon in freier Wildbahn gesehen. Doch in den waldreichen Tälern von Kocher, Jagst und Bühler sind die geschickten Waschbären bereits seit einigen Jahren zu Hause. Wahrscheinlich, so vermuten Experten, werden sie bald, wie schon in Hessen, die Städte erobern. Doch nicht alle sind über die Ankunft der kleinen Bären erfreut.

In den vergangenen Wochen konnten sich aufmerksame Wanderer in den abgeschiedenen hohenlohischen Flußtälern über seltsame Spuren im Schnee wundern: 8 – 11 cm lang und vorne fünf schmale fingerartige Abdrücke haben die Anwesenheit der dämmerungs- und nachtaktiven Waschbären verraten. Mit seinen langen Fingern ist das Pelztier aus der Familie der Kleinbären ein geschickter Kletterer, der die helle Tageszeit gerne im Geäst oder in Höhlen großer Laubbäume verschläft. Mit Einbruch der Dämmerung werden die bis zu 12 kg schweren Einzelgänger aktiv und beginnen ihre Streifzüge zur Nahrungssuche. Neben Pflanzen erbeuten sie wirbellose Tiere wie Käfer und Würmer. Daneben fangen sie Kleinsäuger, Vögel und vor allem Fische und Amphibien wie Frösche und Molche. Dieses Nahrungsspektrum ist einer der Gründe, warum sie bevorzugt in der Nähe von Gewässern leben.

Invasion begann vor 70 Jahren

Ursprünglich wurden die in Nord- und Mittelamerika heimischen Waschbären in Deutschland lediglich in Zoos oder Pelztierfarmen gehalten. Die Erfolgsgeschichte freilebender Waschbären in Deutschland nimmt 1934 ihren Anfang am hessischen Edersee. Damals wurden vier Tiere gezielt in die Freiheit entlassen. Unter diesen vier Schupps, so ihr volkstümlicher Name, waren zwei trächtige Weibchen. Schnell haben sie und ihr Nachwuchs Hessen erobert. Diese Tiere dürften letztlich auch die Vorfahren der hohenlohischen Neubürger sein.

Die Zahl von 3-5 Jungen, die sie im April oder Mai auf die Welt bringen, klingt zunächst eher bescheiden. Doch mit äußerst scharfen Sinnen, sie hören, sehen und riechen ausgezeichnet, und einem sehr guten Gedächtnis ausgestattet, ist es ihnen rasch gelungen, sich an die neuen Lebensbedingungen zu gewöhnen. Und da natürliche Feinde weitgehend fehlen, konnten sie sich ungehindert vermehren und ausbreiten

Wie gut sie sich in den 7 Jahrzehnten ihrer Freiheit angepaßt haben, läßt die Zahl von 8682 Waschbären, die in Hessen allein im Jagdjahr 2001/2002 erlegt wurden, erahnen. Bundesweit hat sich die Zahl der abgeschossenen Waschbären in den letzten 10 Jahren gar verdreifacht.

Lebensraum im Überfluss

Wie in ihrer nordamerikanischen Heimat haben die Tiere bereits städtische Lebensräume in Kassel oder Göttingen als Schlaraffenland entdeckt. Als sogenannte Kulturfolger untersuchen sie Mülltonnen und Komposthaufen nach Essensresten, freuen sich über Gemüsegärten und über reifendes Obst im Herbst. Unterschlupf finden sie in Schuppen, Dachböden oder Garagen.

In Hohenlohe ist es noch nicht so weit. Hier stehen die Tiere mit dem buschigen und charakteristisch schwarz-weiß geringelten Schwanz wohl erst am Beginn ihrer Expansion. Werner Kochendörfer von der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt Hall berichtet, dass in den letzten Jahren jeweils 1 – 2 Waschbären im Landkreis erlegt wurden. In ganz Baden-Württemberg waren es in den letzten Jahren um die 70. Mit steigender Tendenz.

Marderhund und Sumpfbiber

Ob sich die gelegentlich von Jägern und Naturschützern geäußerten Befürchtungen, dass sich die Waschbären gerne an Eiern und jungen Vögeln vergreifen, bewahrheiten werden, scheint noch unklar. Martin Zorzi vom Umweltzentrum Schwäbisch Hall verweist auf Untersuchungen, die man zur Klärung dieser Frage anstellen müßte. "Grundsätzlich bringen eingewanderte Tierarten bestehende ökologische Gefüge durcheinander. Das kann auch zu Lasten gefährdeter Arten gehen," kann er allerdings keine Entwarnung geben.

Der Waschbär ist mit seinem Expansionsdrang nicht allein. In den letzten Jahren machen zwei weitere Neubürger im Ländle von sich reden. Der zottelige Marderhund, der bei Dämmerlicht leicht mit dem Waschbär verwechselt werden kann, hat von Osten her kommend bereits weite Teile Deutschlands besiedelt und dabei auch Baden-Württemberg erreicht. Hohenlohe scheint er allerdings noch zu meiden.

Anders der aus Südamerika stammende Nutria oder Sumpfbiber. Wie der Waschbär haben auch diese großen Nager Jagst und Kocher bereits erreicht.

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veröffentlicht u. a. im März 2003 im Haller Tagblatt

Copyright Roland Schulz