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Einzigartige Dolinenlandschaft

Bäume versinken im Boden / Abbau bedroht Naturschutzgebiet

Nicht weit vor den westlichen Toren Crailsheims erstreckt sich eine eigenartig geschwungene Landschaft, die Kenner des Landes wie Landeskonservator i.R. Dr. Hans Mattern als bedeutendste Gipsdolinenlandschaft in Südwestdeutschland rühmen. Seit 40 Jahren ist Christoph Langer als Naturschutzbeauftragter, Forstmann und in den vergangenen Jahren als Pensionär mit dieser Gegend eng verbunden.

Schon beim Betreten des Waldes bemerkt auch der geologisch reussenberg dolinen versinkende baeumeweniger bewanderte Besucher, dass er sich in einem besonderen Gebiet befindet. Das Gelände wird unruhiger, der Untergrund feuchter und immer mehr kleine und größere Mulden und Senken bestimmen die Szenerie. Diesen Mulden oder besser Dolinen verdankt der Reußenberg, dass er bereits 1937 unter Schutz gestellt wurde. Damit ist er das älteste Naturschutzgebiet (NSG) im ehemaligen Landkreis Crailsheim. Mit dem am Rande liegenden Häspele Moor, das 1975 zum NSG erklärt wurde, bedeckt das Schutzgebiet heute beachtliche 183 Hektar.

Christoph Langer erinnert sich an einen seiner ersten Besuche in diesem Gebiet, der eher unfreiwilliger Art war. Es war im Jahr 1960, als er als frischgebackener Leiter des Forstamts Roßfeld zu einem Waldbrand im Reußenberg gerufen wurde. Gottseidank brachte die Feuerwehr mit dem Wasser aus einer der nahegelegenen Lachen, so werden die Gewässer hier genannt, den Brand schnell unter Kontrolle.

In den mehr als 40 Jahren, die seitdem vergangen sind, hat das "noch immer aktive" Gebiet sein Antlitz fortlaufend verändert. Langer beschreibt, wo damals noch festes Land war und heute rund 70-jährige abgestorbene Buchen bis zu einem Meter tief im Wasser stehen. Das heißt nichts anderes, als dass es im Untergrund

des Reußenbergs weiterhin dynamisch bleibt. Sickerwasser laugt den wenig widerstandsfähigen Gipskeuper unterirdisch aus, der Boden gibt nach und neue Einsenkungen oder plötzliche Einbrüche, in Hohenlohe auch Erdfälle genannt, sind entstanden. Hat Schlamm den Untergrund abgedichtet, entstehen neue Tümpel und Lachen. Erst im 20. Jahrhundert sind die Grüne und die Neue Lache eingebrochen. Die Schwarze Lache, mit ihren ausgeprägten Verlandungszonen und den in ihr versinkenden Bäumen wohl eine der schönsten im Gebiet, ist bereits in einer Flurkarte von 1828 verzeichnet. Bis vor wenigen Jahren gab es hier als Besonderheit eine schwimmende Insel, die sich 1911 bei einem Erdbeben vom Ufer gelöst haben soll. Bei einer Führung, die der frühere Naturschutzbeauftragte für den Albverein geleitet hat, hat ein Wanderer die Tragfestigkeit dieser Insel getestet und war schlagartig bis zum Hals versunken. Ohne Hilfe, ist Langer überzeugt, wäre der Vorwitzige ertrunken.

Refugium für bedrohte Arten

Wo ungestörte Gewässer sind, gedeihen meist noch Pflanzen, die anderswo längst verschwunden sind. So auch um die Lachen des Reußenbergs: hier fängt noch der Sonnereussenberg gipsbruch neben naturschutzgebietntau mit seinen klebrigen Tentakeln Insekten, der tödlich giftige Wasserschierling wächst bis weit über einen Meter hoch und mit Glück kann man im Juli die tiefroten Blütensterne des Sumpfblutauges entdecken.

Weniger Glück, so erinnert sich Langer, hatten rund 100 Sumpfschildkröten. Vor rund 35 Jahren hat ein ehemaliger Crailsheimer Fabrikant in einer Nacht und Nebel Aktion ohne vorherige Absprachen etwa 100 dieser Reptilien in die Lachen gesetzt. Etwa 20 Jahre lang konnte Langer die heimlichen Tiere beobachten. "Man konnte sich ohne Probleme bis 30 Meter an die sich sonnenden Schildkröten ranpirschen. Doch dann sind sie beim leisesten Geräusch so elegant ins Wasser getaucht, dass sich kaum Ringe auf der Wasseroberfläche gebildet haben," erinnert er sich. Von den Schildkröten hat wohl keine überlebt.

Nach wie vor wird im Reußenberg Gips abgebaut. Zu den Lachen müssen zwar 30 m Mindestabstand eingehalten werden. Doch Hans Mattern erfüllt dies mit Sorge: "Heute gilt es wachsam zu sein gegenüber dem Gipsabbau, der dem Schutzgebiet bedrohlich näherrückt."