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Wundersames Osterwasser
- Hohenlohische Landfrauen beleben alte Tradition -
Noch vor 50 Jahren hatten prächtig herausgeputzte Osterbru nnen ihren festen Platz im hohenlohischen Jahreslauf. Nachdem dieser alte fränkische Brauch über viele Jahrzehnte verschwunden war, haben ihm Frauen in zahlreichen Siedlungen neues Leben eingehaucht. Die Zukunft wird weisen, ob es sich um eine altertümelnde Mode handelt oder ob dieser Zierrat wieder einen festen Sitz im Leben findet.
So mancher Autofahrer wird sich in den Wochen vor Ostern in zahlreichen Ortschaften über liebevoll geschmückte Brunnen gewundert haben. Ob Langenburg, Obersteinach, Kirchberg oder Ellrichhausen, Bartenstein oder Gelbingen, ein Brunnen scheint den nächsten mit seiner Zier übertreffen zu wollen. Ihr Geheimnis ist rasch erzählt: Osterwasser, noch vor Morgendämmerung in der Osternacht geschöpft und beim Heimweg auch nicht ein Wort gesprochen, versprach den Töchtern des Hauses Schönheit und sollte das Vieh vor Krankheit und bösem Zauber schützen. Und war kein Bach in der Nähe, spendete eben der Dorfbrunnen wunderkräftiges Wasser, so die Überlieferung. "Osterwasser haben wir als Kinder nicht mehr geholt," berichtet Ursula Gunzenhauser aus Atzenrod. "Aber Eierschocken haben wir noch gespielt. Dabei haben wir Kinder hart gekochte Ostereier über Wiesen oder Hänge gerollt. Und wessen Ei am längsten heil blieb, der hatte gewonnen," erinnert sie sich an ein weitgehend vergessenes Kinderspiel.
Runen als Fruchtbarkeitssymbole
Gemeinsam mit zahlreichen rührigen Langenburger Frauen feiert das alte Residenzstädtchen in diesem Jahr das 10-jährige Jubiläum ihres Osterbrunnens. "Jedes der vielen hundert Eier ist handbemalt. Seit Juli sind wir bei der Arbeit. Dabei legen wir großen Wert auf Runenzeichen, uralte Symbole für Ostern."Das Kreuz etwa ist eines der ältesten Zeichen und gilt als Lichtsymbol. Oder die Ra ute, die als Symbol für Fruchtbarkeit steht. Selbst Bannknoten, die lange als Schutzzeichen gegen das Böse dienten, werden vorgestellt. Zum Jubiläum haben die Frauen zusätzlich eine Ausstellung über Ostereier im Rathaus gestaltet. Hier gibt es typisches Ostergebäck, mit schwarzen Scherenschnitten verzierte Gänseeier, Osterhasen und unzählige filigran bemalte Ostereier zu sehen. Dabei finden sich auch Exoten wie die überdimensionierten Eier der südamerikanischen Nandus oder ihrer afrikanischen Vettern, der Strauße.
Doch zurück zu den Brunnen. Ein besonderer sprudelt in Obersteinach. "Die Idee zu einem Osterbrunnen hat vor Jahren unser Schreinermeister aus der Fränkischen Schweiz mitgebracht," ist Ortsvorsteherin Rita Pflüger bereits mitten in der Entstehungsgeschichte. "Ich baue das Holzgestell für die Krone, wenn ihr ihn jedes Jahr schmückt", lautete des Schreiners Angebot an die Landfrauen. Gesagt getan. Seitdem verweilen zur Osterzeit Einheimische und Gäste immer wieder gerne am Brunnen, dem alten Dorfmittelpunkt. "Unser Schmuck besteht noch aus echten ausgeblasenen Eiern," ergänzt Pflüger nicht ohne Stolz.
Junger Schmuck an alten Brunnen
Unbedingt sehenswert ist auch der große Kirchberger Brunnen im "Städtle" am Schloss. Auch sein Schmuck, in diesem Jahr ist er zum dritten Mal Osterbrunnen, geht auf private Initiative zurück. Helmut Klingler, einer der "Väter" des Brunnens, erinnert sich: "Wir Städtlesleut organisieren jedes Jahr im Herbst ein Weinfest. Mit dem Erlös haben wir vor drei Jahren den Brunnen restauriert und jetzt bringen wir jedes Jahr Girlanden und Ostereier an." Sehr zur Freude der Kindergartenkinder. Sie erhalten bei der Eröffnungsfeier am Brunnen immer ein typisches Ostergebäck: einen Hasen aus Mürbteig. Die Erwachsenen spenden ebenfalls reichlich Lob: "Von unserem Brunnen ist jeder begeistert. Wir erhalten viele positive Rückmeldungen," freut sich Klingler über diese Anerkennung.
Die Frage, ob in der Osternacht geschöpftes Osterwasser tatsächlich Schönheit bringt und vor Unheil bewahrt, kann nur jeder für sich selbst beantworten. Die Osterbrunnen allerdings sind über jeden Zweifel erhaben: Sie dienen als Zierde für jede Gemeinde.
veröffentlicht im Haller Tagblatt 8. April 2004
Copyright Roland Schulz
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