Natur

Umwelt

Hohenlohe

Brandenburg

Reisen

Kontakt

nature-press




presse-dienst


Die Rückkehr der Biber

Für die einen ist er Inbegriff intakter Natur, für die anderen eine Geißel der Kulturlandschaft. Die Rede ist vom Biber, der seit rund fünf Jahren das Flüsschen Rotach und einige Weiher im Fichtenauer Raum besiedelt. Trotz intensiver Pro-Biber-Kampagnen sind nach wie vor nicht alle Landwirte mit dem Beschluss des Gemeinderates einverstanden, den größten Nager Europas mit einem Biberprojekt zu fördern.

Nachdem vor etwa fünf Jahren die ersten Biberspuren im Fichtenauer Raum entdeckt wurden, regte sich unter den Landwirten zunächst heftiger Biber bevorzugen Erlen und WeidenWiderstand gegen die bis zu 30 kg schweren Neubürger. Die bemerkenswerte Eigenschaft des Bibers, durch Staudämme aus Holz und Lehm Wasser anzustauen und somit seinen Lebensraum selbst zu gestalten, wird ihm in unserer Kulturlandschaft zur Gefahr. Fichtenauer Landwirte fürchteten, ihr Wirtschaftsland könne vernässen, Schlepper würden in Biberhöhlen einbrechen und die Nager ihre Maisfelder plündern. So fiel die Entscheidung pro Biber-Schutzprojekt im Fichtenauer Gemeinderat nach vehementer Diskussion mit 10 : 9 Stimmen auch denkbar knapp.

Heute kann Günter Schmidt, Ortsbaumeister der Gemeinde Fichtenau, eine insgesamt positive Bilanz ziehen: "Wir wollten den aus Bayern eingewanderten Biber nicht herholen. Da er unter strengem Naturschutz steht, müssen wir mit ihm leben. Mit dem Biberprojekt ist es uns gelungen, die konfliktträchtigen Feuchtbereiche im Rahmen der Flurbereinigung in die öffentliche Hand zu überführen." Dies habe dazu beigetragen, dass mittlerweile die Gegenstimmen der Land- und Fischwirte weitgehend verstummt seien. Größere durch den Biber versursachte Schäden aus jüngerer Zeit sind ihm jedenfalls nicht bekannt.

Der leitende Ingenieur des Flurneuordnungsverfahrens A 7, Martin Reustlen, erinnert sich an die erste Verunsicherung: "Die Landwirte fürchteten, dass ihnen wieder Flächen verloren gehen. Bei der Flächenzuteilung im Herbst 2001 hat es sich jedoch gezeigt, dass die feuchten Flächen, die der Biber benötigt, vom Landwirt meist gar nicht gewollt wurden." So sei es gelungen, im Flurneuordnungsverfahren, das insgesamt 3126 Hektar beplant, 3 Hektar Fläche für das Artenschutzprojekt Biber bereitzustellen. Besonders um Weiher mit hohen Böschungskanten, in die Biber Wohnhöhlen graben können, seien im Projektrahmen Ruhezonen angelegt worden. In diesen Gebieten haben Mitarbeiter der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Stuttgart (BNL) Weiden gesteckt, die eine bevorzugte Nahrung für Meister Bockert bilden, wie der Biber volkstümlich heißt.

Des einen Freud, des andern Leid

Laut Artenschutzreferent der BNL, Oswald Jäger, leben aktuell 12 bis15 Biber im Fichtenauer Raum. Da Meister Bockert sehr heimlich lebt, erfolgen die Schätzungen anhand von Fraßspuren im Herbst sowie der Größe der als Winternahrung dienenden "Unterwasserflöße", die aus Zweigen und Ästen bestehen. "In Fichtenau wehren sich sicher nicht mehr viele Bürger intensiv gegen den Biber", ist er überzeugt. "Ganz im Gegenteil erhalten wir immer wieder Schreiben, in denen sich Menschen über die Tiere freuen." Dies führt der Artenschutzreferent auf die Öffentlichkeitsarbeit zurück, die "für keine andere Tierart in Baden-Württemberg so intensiv war."

Zu Gesicht bekommen haben den fleißigen Nager bislang nur wenige. Die Folgen seiner nächtlichen Aktivitäten sind jedoch unübersehbar. Der Krettenbacher Landwirt Hans Mailisi, Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft der Flurneuordnung A 7, stellt dem Neubürger kein gutes Zeugnis aus: "Ich habe mich über jeden grünen Baum gefreut, heute stehen überall dürre Gerippe. Oder die gefällten Stämme in Fluß und Weiher, von denen nur die Rinde abgefressen wird. Das ist eine Katastrophe, ich krieg da eine Gänsehaut." Weiherbesitzer Otto Fezer von der Felsenmühle wäre wegen Dammschäden ebenfalls froh, wenn die Biber gar nicht erst aufgetaucht wären.

Doch die Rückkehr des hier vor rund 150 Jahren ausgerotteten Bibers wird nicht mehr aufzuhalten sein. In ganz Baden Württemberg lebten zu Jahresbeginn rund 230 Tiere. Tendenz steigend.