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Heimstatt für Noahs Rettungsboot

- In Hohenlohe überdauern hölzerne Archebrücken die Zeiten -

Die MuschelkaOckernauer Steg überspannt Jagstlktäler im Hohenloher Land sind für historisch interessierte Touristen wahre Fundgruben. Dabei werden zunehmend die urtümlichen Holzbrücken über Kocher und Jagst bestaunt. Diese überdachten und komplett mit Holz verkleideten Brücken werden, vermutlich wegen ihrer Ähnlichkeit mit einem berühmten biblischen Rettungsboot, Archebrücken genannt.

"Dieser Brückentyp war früher weit verbreitet," verneint Dr. Sabine Weyrauch vom baden-württembergischen Landesdenkmalamt die Frage, ob die alten Holzstege eine hohenlohische Besonderheit seien. "Allerdings," fährt die Gebietskonservatorin fort, "haben sich in Hohenlohe aufgrund eines geringen Veränderungsdruckes besonders viele Archebrücken erhalten." Und wenn auch die hiesigen Brücken bei weitem nicht die 200 Meter ihrer berühmten Schwester, der Bad Säckinger Rheinbrücke erreichen, so sind sie doch beeindruckende Zeugnisse früherer Baukunst.

Panzern stand gehalten

Einige Zeitzeugen erinnern sich noch daran, dass 1945 über die Unterregenbacher Archenbrücke sogar amerikanische Panzer gerollt sind. Inzwischen begrenzen hier Verkehrsschilder die Höchstlast auf noch immer bemerkenswerte 9 Tonnen. Andere berichten von fröhlichen Tanzveranstaltungen, die in den Brückenräumen abgehalten wurden. Und so mancher Wanderer wird hier auch in jüngerer Zeit dankbar Schutz vor Regen und Gewittern gefunden haben.

Doch war diese Schutzfunktion ein plausibler Grund, um vor rund 200 Jahren diese Brücken mit Wänden und einem Dach auszustatten? Mitnichten. Eine Anfrage bei der Universität München bringt des Rätsels einfache Lösung: Die Archebrücken wurden komplett verkleidet, um ihre aufwändige hölzerne Tragkonstruktion vor zerstörenden Witterungseinflüssen zu schützen.

Hölzernes Gewand mit neuem Wert

Ob es ausschließlich der geringe Veränderungsdruck war, dem die alten Bauwerke in Hohenlohe ihr Überleben verdanken, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls hat dieser inzwischen für die Region charakteristische Brückentyp in den letzten Jahrzehnten eine bemerkenswerte Renaissance erlebt. So haben die Bächlinger ihre in den letzten Kriegstagen zerstörte Brücke 1991 wieder aufgebaut. 1978 wurde der "Ockenauer Steg", der Kirchberg und Mistlau verbindet, restauriert. Dabei wurde sein schlichtes Bretterdach durch mattrote Ziegel ersetzt. Und der einfache Steg an der ehemaligen Heinzenmühle, im Schatten der hochgestelzten Autobahnbrücke über die Jagst, wurde in jüngster Zeit durch eine Archenbrücke ersetzt. Damit scheint das Hohenloher Land auf dem besten Wege, einen weiteren Stein ins Mosaik seiner touristischen Besonderheiten einzufügen.

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veröffentlicht im Haller Tagblatt März 2004

Copyright Roland Schulz